Foto: Bettina Stöß




Drei Wochen lang Proben, Lampenfieber, Rampenlicht und Applaus statt Hausaufgaben, Tests und Pausenbrot? Hat sich das gelohnt?

Zwölf Schülerinnen und Schüler unserer Schule nahmen am Jugendtanzprojekt des Saarländischen Staatstheaters teil. Bereits zum dritten Mal hatte die Donlon Dance Company die Berliner Choreografin Nadja Raszewski  und ihr Team eingeladen, mit über fünfzig Schülern in drei Wochen eine Tanzaufführung auf die Bühne zu bringen; zum zweiten Mal nahm unsere Schule teil. Der diesjährige Titel  „1000 Türen“ ließ den Jugendlichen wieder viel Raum für eigene Assoziationen und Ideen. 


Fünf Neuntklässlerinnen – Merdiana Quni, Iladshiya Krishnamoorthy, Nadine Holmann-Sörensen, Tania Costanzino und Amelie Krauss – erzählten aus ihrem Alltag zwischen Bühne und Probe. „Es war Wahnsinn!“ ist die einhellige Meinung. Klar, einerseits keine Schule. Aber viel wichtiger sei es gewesen, zu erleben, wie aus der eigenen Arbeit, aus den Ideen der Teams und Grüppchen ein Tanzstück entsteht, das sein Publikum begeistern konnte.

Vom Bewegungspuzzle zum Gesamtkunstwerk

„Nadja hat uns immer eine Aufgabe gegeben, zu der wir dann Bewegungen und Tanzschritte entwickelt haben“, erklärt Iladshiya und Tania gibt ein Beispiel: „Einmal hat sie uns gesagt, wir sollen uns fünf Präpositionen auswählen und uns dazu einen Bewegungsablauf ausdenken. Bei ‚über‘ fiel uns ein, dass wir uns wie ein Förderband über den Boden rollen könnten und eine von uns praktisch als Werkstück über uns wegrollt.“ Im Scheinwerferlicht auf der Bühne war diese ungewöhnliche Art der Fortbewegung dann für die Zuschauer ein ‚Hingucker‘. Ein anderes Puzzleteil war „Francescos Blüte“, benannt nach dem Sechstklässler, der aus einer Rückwärtsrolle, die einige Schülerinnen besonders gut konnten, eine sich öffnende Blüte choreografierte.

Nadine fasst die Vorgehensweise von Nadja Raszewski zusammen: „So hat sie das oft gemacht: Wir haben uns, auch in den Pausen, Bewegungen überlegt und ausprobiert, und wenn sie gut waren, haben Nadja und ihre Leute sie perfektioniert und dann in das Stück eingefügt.“

„Wir waren wie eine Familie“

Auch die Sechstklässler Michaela Noß, Muhadessa Saciri, Francesco Selim, Nico Kessler, Alexander Wanderwitz, Jan Brenner sowie Oliver Leyendecker sind restlos begeistert von dem Projekt. Muhadessa zum Beispiel sagt, sie sei „mutiger“ geworden, und habe gelernt, dass sie durch Tanzen Stress abbauen könne. „Wir waren wie eine Familie. Jeder hat dich akzeptiert, so wie du bist. Ich habe neue Freunde gewonnen.“ Als der Bewerbungsprozess für das Tanzprojekt anlief, war Muhadessa eine der ersten gewesen, die Werbung in ihrem Jahrgang machte – durch sie haben auch einige der Jungen erst den Mut gefasst, sich zu bewerben. Für Francesco hat sich dieser Mut ganz besonders gelohnt – ihm legten die Trainer eine Tanzausbildung ans Herz.

Türen sind zum Öffnen da

Am Ende stand ein für die Zuschauer spannendes und faszinierendes Tanzstück, das Nadja Raszewski und ihr Team aus den Einzelstücken der Jugendlichen gewebt haben, zusammen mit Texten, Musik und Videokunst von Oliver Raszewski, an der die Schüler auch beteiligt waren. Oliver Raszewski, der Bruder der Choreografin, gestaltete auch die Bühne. Neben den Videos setzte er einfache Mittel ein wie zum Beispiel dünne Malerabdeckfolie, die in den Händen der Tänzer zu Fallschirmen, Schutzdächern, Zelten und Wolken wurde.  

Tausend Türen, die man öffnen könnte –  das heißt, tausend Entscheidungen, die man treffen, tausend Träume, die man verwirklichen könnte. Am Ende, wenn alle im großen Finale zu Donna Summers ‚Freedom‘ tanzen, klatschen und feiern, ist klar geworden, dass die Türen vor allem aus der Abgeschlossenheit des eigenen Kokons heraus und in die Gemeinschaft mit anderen führen. 

Und diese Botschaft ergeht an die Zuschauer ebenso wie an die Tanzenden. „Wir haben so viel gelernt, wie man sich konzentriert, wie man Kraft sammelt, wie man mit anderen zusammen kreativ ist, wie man den Körper einsetzen kann, um sich auszudrücken“, sagt Amelie. Und Merdiana ergänzt: „Das sind alles Sachen, die bleiben!“ 

Einige der Jugendlichen wollen sich bewerben für iMove, das weiterführende Tanzprojekt von Marguerite Donlon, das jungen Tanztalente fördert. 


Die letzte Aufführung des Tanzstücks wird am 16. März 2013 in der Feuerwache sein.