Selina Frank, 10a



Thomas Brussig, der Autor unserer diesjährigen Pflichtlektüre in Klasse 10, „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“, hielt eine spannende Lesung seines Buches. Er kam herein und wirkte sofort sympathisch, als er uns berlinerisch gefärbt begrüßte. Zuerst las er einige faszinierende und auch witzige Romanszenen vor, anschließend stand er uns für Fragen zur Verfügung. Die Meinungen von uns Schülern schienen ihm sehr wichtig zu sein: Er fragte, ob jemand sein Buch schon kenne und beantwortete jede noch so schlichte Frage eingehend. Seine Frau, die ihn bei seinen Lesungen unterstützt, musste lächeln, als eine Mitschülerin nach dem Verdienst Brussigs fragt. Tatsächlich beantwortet er auch diese Frage offenbar ehrlich und mit viel Witz und Charme: Der Roman „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ sei mit einer Normalauflage von 3000 Stück auf den Markt gekommen und habe sich in zehn Jahren rund 400.000 Mal verkauft, davon habe er „acht Prozent des Verkaufspreises“ verdient, woraufhin wir alle murmelnd zu rechnen begannen!

 

Thomas Brussig, der 1965 in Berlin geboren wurde und im Osten der Stadt aufwuchs, hatte, wie er sagte, nach seinem Abitur noch keine Ahnung, welchen Beruf er ergreifen wollte und hielt sich einige Jahre mit Gelegenheitsjobs wie Geschirrwäscher, Hotelportier und Fremdenführer über Wasser. Aber er las und schrieb gerne, und als er seinen ersten Roman begann, „Wasserfarben“, wurde ihm nach und nach klar, dass er Schriftsteller werden wollte. „Ich hatte natürlich das große Glück, dass mein Buch dann auch wirklich veröffentlicht wurde“, fügte er hinzu. Brussig ließ sich oft von anderen Autoren inspirieren, besonders von Erich Kästner, welcher ihm letzten Endes als Vorbild diente.

Inzwischen hat Thomas Brussig viele erfolgreiche Bücher geschrieben. Darunter sind die Romane „Helden wie wir“, „Bis zu den Männern“, „Wie es leuchtet“, „Berliner Orgie“ und „Schiedsrichter fertig“.

Unsere Schullektüre „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ sei weniger ein Abbild der DDR-Realität, erklärte Brussig, als eine Art Sage, ein Märchen, mit Figuren, die jeder, der in der DDR aufgewachsen sei, kenne: Der übergenaue Volkspolizist, der Schüler Micha Kuppisch, seine stets ängstliche Mutter, sein zorniger Vater und „die Schulschöne“ Miriam. In der Hauptperson Micha steckten auch Gefühle und Erfahrungen von ihm selbst, sagte der Autor.

 

Der Roman entstand aus Brussigs Drehbuch für den Film von Leander Haußmann, der 1999 in die Kinos kam und sehr erfolgreich war. Danach schrieb der Autor den Stoff mit Szenen, die ihm wichtig waren, die aber im Film nicht verwendet werden konnten, in vierjähriger Arbeit in den Roman um. Der Titel entwickelte sich im Laufe der Zeit – jedoch erklärte Brussig, er habe auch schon oft einen falschen Titel genommen und ärgere sich manchmal noch lange danach darüber.

Schriftsteller sei ein einsamer Beruf, meinte Brussig, und darum habe er sich entschlossen, weitere Drehbücher zu schreiben, bei denen man mit anderen zusammenarbeiten könne. Gerade hat er in Berlin die Arbeit mit Udo Lindenberg an dessen Musical „Hinter dem Horizont“ abgeschlossen, die Premiere im Theater am Potsdamer Platz ist über die Bühne. In nächster Zeit habe er noch keine Projekte, sagte Thomas Brussig.

 

Es war ein rundum gelungener Auftritt von einem Autor, der anfangs etwas aufgeregt war, wie er uns am Ende gestand. 

 




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