Nicht zuschauen, nicht mitmachen, sondern eingreifen und schlichten, das ist unser Job“, beschreibt Thorben Schäfer, 8e, seine Aufgabe als Schlichter. Das ist auch in ganz alltäglichen Situationen schwerer, als es klingt. Darum trainierten die dreißig Schülermediatoren der Gesamtschule Sulzbachtal diese ‚Impulse gegen Gewalt‘ im Zuge der Schlichterausbildung in nahezu realen Situationen. Dazu kamen sie zwei Tage lang in die Zirkusschule Kokolores in Malstatt. Unterstützung holte sich das Mediatoren-Team der Schule (Schulsozialarbeiter Marco Weibel und die Lehrerinnen Traudel Diehl und Ursula Trautmann) von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) des Saarlandes. Dort hat die Soziologieprofessorin Simone Odierna das Konzept des brasilianischen Forumtheaters auf deutsche Verhältnisse angepasst und geht mit ihren Studierenden der Sozialwissenschaft in Schulen und Betriebe. Im „Theater für Zivilcourage und gegen Gewalt“  bringen die Beteiligten in interaktiven Szenen verschiedene Möglichkeiten auf die Bühne, wie sie in Konfliktsituationen den Unterlegenen helfen und deeskalierend eingreifen können. 

 „Wir haben zum Beispiel eine Szene gespielt, in der ein Mädchen anfängt, über ein anderes herzuziehen, wegen ihrer Kleider“, erzählt Yasmin Heinkes, 8f „und dann ist das ausgeartet, so wie es ja wirklich auch oft passiert.“ An diesem Punkt sprangen dann die zuschauenden Schülerschlichter mit ein: Sie entwickelten Ideen, wie man dieses „Ausarten“ verhindern kann und der  gedemütigten – oder, in Schülersprache ‚gedissten‘ – Person hilft. So schlüpfte zum Beispiel eine Teilnehmerin in die Rolle einer Freundin des lästernden Mädchens und erinnerte diese daran, dass sie doch auch selbst manchmal  neue Kleidungsstile ausprobiere; andere stärkten dem Opfer den Rücken.

„Die Schlichterinnen und Schlichter waren sehr konzentriert und engagiert bei der Sache – und man hat ihnen angemerkt, dass sie gefühlsmäßig ganz dabei waren“, beurteilt  Marco Weibel diese besondere Form der Schlichter-Ausbildung. Der fünfzehnjährige Jascha Siffrin meint: „Durch dieses Rollenspiel versteht man viel besser, wie es jemandem wirklich geht, wenn er gemobbt wird – so was hilft mir beim Schlichten.“